Ich male seit ich zwölf bin. Angenähert habe ich mich über Graffiti. Als ich mit 16 erwischt wurde, sagte der Polizist zu mir: „Gerne nehme ich dich nicht mit! Graue Mauern finde ich auch schrecklich, aber so ist es halt.“ – Die Anzeige wurde fallen gelassen – Das hat mir auch gezeigt, was Kunst alles macht. Immerhin haben wir auf dem ganzen Weg zum Präsidium über Kunst diskutiert. Ich habe Philosophie und Spanisch studiert, um im Studium immer noch gerne Kurse zur Kunstgeschichte und Fotografie besucht. Allerdings hatte ich das Malen etwas aus den Augen verloren. Seit zwei Jahren arbeite ich als OGS-Betreuer und Lernförderlehrer an einer Grundschule. Dort konnte ich den unbeschwerten Umgang beobachten, mit dem Kinder das Blatt traktieren: ohne nachzudenken, mit der reinsten Freude daran, dass gerade etwas auf dem Blatt passiert. Ich veranstalte dort Mal- und Zeichenkurse und in den Ferien auch einen Graffiti-Workshop. Ich habe nie etwas in Richtung Kunst oder Gestaltung studiert, aber es begleitet mich schon ewig. Gelernt habe ich über Freunde, Bücher und ausprobieren – durchs malen. Was ich male, bleibt gegenständlich, denn zu schön, zu reich, ist die Welt um mich herum, als dass ich mich davon entfernen wollen würde.

 

Es macht mir einfach Spaß zu malen: die Natur abzumalen, zu verändern; Musiker, die ich verehre oder einfach interessante Menschen aus Zeitschriften. Die Freude, die ich während des Malens empfinde, sollte genauso auch aus den Bildern sprechen, bestenfalls, und dem Betrachter Spaß machen. Eine meiner großen Leidenschaften ist das Wandern. Wenn ich mich dabei auf einen Berg setze und die Weinreben abkritzle; die geschwungenen Pfade und Mäuerchen, die wie Wellen über die Weinberge schwappen, schaue ich genau hin und bekomme eine Beziehung zu meiner Umwelt. Das Malen ist für mich eine Art, genauer auf die Welt zu blicken und in einer schönen Weise mit ihr umgehen zu können und sie zu erleben; in ihr nebelhaftes Gesicht zu stieren und es besser erkennen zu können. Es hilft mir, besser zu sehen, ohne dass ich eine Brille aufsetzen müsste.